Presseinformation: eins eröffnet Kunstausstellung im Schornstein

Im Rahmen der Idee einer kulturellen Nachnutzung des ehemaligen Kraftwerksgeländes belebt ab sofort eine einmalige Kunstausstellung im Schornsteinfuß das Bauwerk aufs Neue.

Mit dem „Schichtwechsel“ am 18. Januar 2024 im Braunkohlekraftwerk Nord II in Chemnitz endete nicht nur eine prägende Ära der Energieversorgung der Region – auch der bunte Schornstein von eins verlor seine technische Bestimmung. Seine Rolle als Wahrzeichen der Stadt und wohl größtes Kunstwerk der Welt füllt er jedoch weiterhin aus. Der 2013 vom französischen Konzeptkünstler Daniel Buren in sieben Farben gefasste Bau konnte damit zu einem außergewöhnlichen Ausstellungsort werden.

Im Rahmen der Idee einer kulturellen Nachnutzung des ehemaligen Kraftwerksgeländes belebt ab sofort eine einmalige Kunstausstellung im Schornsteinfuß das Bauwerk aufs Neue. Die Leipziger Foto-Künstlerin Margret Hoppe fing wenige Monate nach der Stilllegung das Gelände und die abgeschaltete Technik mit Ihrer Kamera ein. Die Fotografien bilden mit den Illustrationen und Installationen des Berliner Künstlers Steffen Seeger eine besondere Symbiose. Am 30. Juni wurde die Ausstellung offiziell eingeweiht.

„Ein Kunstwerk im Kunstwerk – das ist selbst für uns als eins etwas ganz Besonderes. Diese Ausstellung steht exemplarisch für das, was uns ausmacht: das bewusste Engagement für Kunst sowie der Anspruch, ihr Raum zu geben – im eigenen Haus ebenso wie auf unserem Kraftwerksgelände. Dieses Engagement ist Teil unserer Haltung. Wir sind überzeugt, dass Kunst neue Perspektiven auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eröffnet – und genau das wird hier auf eindrucksvolle Weise erlebbar. Diese Ausstellung ist für uns ein wichtiger Ort der Erinnerung: an die Zeit der Braunkohleverbrennung in Chemnitz und an einen tiefgreifenden Wandel, der für viele unserer Mitarbeitenden auch emotional herausfordernd war“, verdeutlicht Roland Warner, Vorsitzender der eins-Geschäftsführung, die Bedeutung der Ausstellung.

Im Inneren des Schornsteins begegnen sich die in situ entstandenen Arbeiten der Leipziger Fotografin Margret Hoppe und des Berliner Illustrators Steffen Seeger. Im gemeinsamen Schaffungsprozess entwickelten sich neben individuellen Ansätzen auch kollaborative Motive – es entstanden beispiellose, speziell auf den historischen Ort zugeschnittene künstlerische Interventionen.

Hoppe hält in ihrer Fotoserie die letzten Spuren des Kraftwerks fest – entstanden wenige Monate nach der Stilllegung. Ihre Arbeiten richten den Blick auf die materiellen und architektonisch prägnanten Relikte wie Gebäude und Maschinen. 

Seeger setzt mit Illustration und Typografie einerseits visuell starke Kontraste, schafft andererseits durch seine Formensprache räumliche Verbindungen innerhalb des Schornsteins. Durch die Arbeit mit originaler Braunkohle sowie Materialien aus dem Kraftwerksbetrieb entstehen zusätzliche Ebenen der Verknüpfung zwischen Kunst und Geschichte des Ortes.

Gemeinsam entwickelten die Künstler*innen ortsspezifische Arbeiten, die Vergangenheit und Gegenwart in Beziehung setzen. Dabei greifen sie auch die Farbgebung des Kraftwerksgeländes auf: Gelb und Rot als prägnante Signalfarben finden sich in der Ausstellung wieder und verankern die künstlerischen Arbeiten visuell im Kontext des Ortes.

Der Schornstein wird so zur begehbaren Reflexion über Erinnerung, Wandel und Zukunft. Die Ausstellung steht für den Gedanken einer lebendigen Nachnutzung: Sie macht Industriekultur sichtbar und verbindet sie mit künstlerischem Ausdruck. Gleichzeitig wird ein Ort der Begegnung, der Offenheit und der regionalen Verbundenheit geschaffen – inmitten des technischen Umbruchs in Richtung Zukunft, den das Gelände als Herz der Energieversorgung von Chemnitz gerade vollzieht.

Steffen Seeger: „Als 2024 das Heizkraftwerk Nord II stillgelegt wurde, habe ich für den Ausstieg aus der Braunkohle das Schichtwechsel-Visual aus gelegten Kohlestücken entworfen. Dabei konnte ich einen tiefen Einblick in den Prozess der Kohleverbrennung, in die Abläufe in einem Kraftwerk und in die Lebensgeschichten der Mitarbeitenden gewinnen. Was der Wandel speziell für sie bedeutet und wie das Heizkraftwerk teils über Jahrzehnte ihr beruflicher Lebensmittelpunkt war, hat mich sehr beeindruckt. Das habe ich versucht in meine Arbeit einfließen zu lassen, um zusammen mit Margret Hoppes Fotografien einen Zeitreise-Parcours durch den Schornstein zu entwickeln.“

Margret Hoppe ergänzt: „Für mich war das Fotografieren des alten Heizkraftwerks eine Freude, da mich die Schönheit dieser Industriearchitektur fasziniert. Nahezu archaisch erscheinen die Kessel oder eine alte Dampfturbine im Labyrinth der Anlagen. Man klettert über Leitern nach oben und unten und erahnt nur, in welcher Hitze hier geschuftet wurde, zwischen Ruß und Stahl. In eigener Farbpalette wiederum strahlt das Äußere der Gebäude, rote Träger und blau-weiß bzw. gelb-weiß gestreifte Kühltürme. Man könnte denken, einige der Maschinen kommen „zurück aus der Zukunft“ und es ist unmöglich, sie wieder in Betrieb zu setzen – so wie im zentralen Bild der Ausstellung, einer großformatigen Tapete im Fuß der Esse mit dem Titel: Generator des stillgesetzten 60 MW Turbosatzes Block C, Induktor fehlt.“

Führungen

Die Ausstellung im Schornstein ist auf Grund seiner Lage auf dem eins-Kraftwerksgelände und damit verbundener Sicherheitsanforderungen nur unter vorheriger Anmeldung und an ausgewählten Terminen möglich. Erste Führungen finden am 14. Juli und 11. August jeweils 17 Uhr statt. Die Anmeldung sowie Informationen zur Ausstellung gibt es unter 

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