Planer schauen sich die Ausbaukarte für Fernwärme auf der Baustelle an

 | Fernwärme, Rund um Energie

Von der Idee bis zum Hausanschluss: So entsteht Fernwärme in Ihrem Stadtteil

Bevor die erste Baustelle entsteht und die Fernwärmeleitungen in einer Straße verlegt werden, liegen oft mehrere Jahre Planung hinter dem Projekt. Doch wie wird entschieden, welche Stadtteile in Chemnitz ausgebaut werden? Warum dauert die Vorbereitung so lange? Und was passiert eigentlich auf einer Fernwärmebaustelle? Wir zeigen Schritt für Schritt, wie Fernwärme ihren Weg unter die Straße und schließlich bis ins Gebäude findet.

Am Anfang steht die Frage: Wo lohnt sich Fernwärme?

Bevor der erste Bagger anrückt, wird genau geprüft, welche Gebiete sich überhaupt für den Fernwärmeausbau eignen. Denn nicht alle Gebäude können wirtschaftlich und sinnvoll an das Netz angeschlossen werden.

Bei der Prüfung, welche Gebiete geeignet sind, werden verschiedene Faktoren betrachtet: Wie dicht ist ein Stadtteil bebaut? Wie hoch ist der Wärmebedarf? Gibt es bereits Fernwärmeleitungen in der Nähe? Und besteht Interesse von Wohnungsunternehmen oder Eigentümern an einem Anschluss? Besonders für den Ausbau geeignet sind dicht bebaute Quartiere mit vielen Mehrfamilienhäusern, da hier viele Menschen auf vergleichsweise engem Raum mit Fernwärme versorgt werden können.

Von der Idee zur Ausbaukarte

Sind für den Ausbau geeignete Gebiete identifiziert, beginnt die langfristige Planung. Die Fachkolleginnen und -kollegen vom Netzbetreiber inetz entwickeln dafür zunächst einen Erschließungsplan. Auf diesem wird festgelegt, welche Stadtteile in welchem Zeitraum erschlossen werden sollen.

Für jedes Ausbaugebiet wird dabei zunächst grob abgeschätzt, welche Leitungen benötigt werden, wie groß der Aufwand sein wird und in welchem Zeitraum die Erschließung möglich ist.

Fernwärme kann ich Fernwärme-Türmen zwischengespeichert werden

Wie entsteht ein Fernwärmenetz auf dem Papier?

Steht fest, dass ein Gebiet für den Fernwärme-Ausbau erschlossen werden soll, beginnt die detaillierte Netzplanung. Die Planer der inetz prüfen dafür zunächst, an welchen Stellen das neue Netz an bestehende Fernwärmeleitungen angebunden werden kann. Anschließend wird mit Hilfe spezieller Software berechnet, auf welchen Wegen die Leitungen durch die Straßen geführt werden können. Gleichzeitig wird festgelegt, wo die späteren Hausanschlüsse entstehen und in welcher Reihenfolge einzelne Straßenzüge erschlossen werden sollen. 

Aus der anfänglichen Idee wird so Schritt für Schritt ein konkretes Netzkonzept. 

Warum dauert die Planung oft mehrere Jahre?

Viele Menschen fragen sich, warum bei dem Fernwärme-Ausbau zwischen der ersten Ankündigung und dem tatsächlichen Baubeginn so viel Zeit vergeht. Der Grund: In ein Fernwärmeprojekt sind zahlreiche Beteiligte involviert. Das bringt organisatorische Fragen mit sich. 

So muss zum Beispiel zunächst abgeklärt werden, ob beispielsweise andere Versorger, das Tiefbauamt der Stadt oder auch die CVAG im selben Gebiet ebenfalls Bauarbeiten planen. Auch Anforderungen von Verkehrsbehörden, Grünflächenämtern, dem Denkmalschutz oder der Feuerwehr fließen in die Planung ein. Sie müssen eingeholt, ausgewertet und in die Ausbaupläne integriert werden.

Eine Anforderung des Ausbaus besteht zudem darin, Straßen möglichst nicht mehrfach aufzureißen. Dadurch entstehen zwar größere Bauprojekte, gleichzeitig soll für die Anwohner*innen aber vermieden werden, dass dieselbe Straße wenige Jahre später erneut geöffnet werden muss. Deshalb werden größere Maßnahmen bereits zwei bis drei Jahre im Voraus gemeinsam mit Behörden und Versorgern koordiniert. 

Bevor gebaut wird: Die Detailplanung

Sind die Planungen erfolgt und das Projekt freigegeben, beginnt die konkrete Vorbereitung der Bauarbeiten. Nun legen die Planer die Details für den Ausbau fest. Dabei wird alles konkret geplant: Auf welcher Straßenseite wird gebaut? Wie gelangt die Fernwärmeleitung auf das Grundstück? Und wie kommt sie später bis in den Heizungsraum des Gebäudes? Außerdem werden weitere Genehmigungen eingeholt, Bauabschnitte festgelegt und die Bauunternehmen beauftragt. Allein diese Vorbereitungen können ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen.

Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann die eigentliche Bauphase starten.

Eine offene Straße, auf der gerade Fernwärmeleitungen verlegt werden

Was passiert auf einer Fernwärmebaustelle?

Mit Beginn der Bauarbeiten entsteht das neue Fernwärmenetz Schritt für Schritt unter der Straße. Dafür werden Bauabschnitte festgelegt, die etwa 50 bis 100 Meter Straße umfassen.

Nach der Sperrung der Straße wird diese zunächst geöffnet und ein Graben hergestellt. Anschließend werden die Fernwärmerohre verlegt und miteinander verschweißt. Danach werden die Schweißnähte überprüft, die Leitungen isoliert und der Graben wieder verfüllt. Am Ende wird die Straßenoberfläche von dem Bauunternehmen wiederhergestellt.

Sofern alles planmäßig verläuft, dauern die Arbeiten an einem Bauabschnitt vier bis sechs Wochen.

Warum wirkt eine Baustelle manchmal wie „stillgelegt“?

Vielleicht kennen Sie das: Die Straße ist abgesperrt, aber scheinbar arbeitet niemand auf der Baustelle.

Tatsächlich bedeutet das nicht automatisch Stillstand. Viele Arbeitsschritte werden von spezialisierten Unternehmen durchgeführt und müssen zeitlich aufeinander abgestimmt werden. So können beispielsweise Prüfungen der Schweißnähte, Isolierungsarbeiten oder Sicherheitsprüfungen stattfinden, die für Passanten nicht sichtbar sind. Auch Termine externer Dienstleister spielen dabei eine Rolle.

Was nach außen wie eine Pause wirkt, ist häufig Teil eines genau abgestimmten Bauablaufs.

So kommt die Fernwärme ins Gebäude

Der Fernwärme-Ausbau endet nicht an der Bordsteinkante. Nachdem die Leitung in der Straße verlegt wurde, erhält jedes Gebäude einen individuellen Hausanschluss. Voraussetzung ist, dass der Eigentümer des Gebäudes einen Vertrag für die Versorgung mit Fernwärme abgeschlossen hat. 

Ist das der Fall,  wird eine Anschlussleitung ins Gebäude geführt. Anschließend wird die Fernwärmestation eingebaut und an das Fernwärmenetz angeschlossen. Je nach Gebäudesituation können dafür auch Arbeiten im Keller des Hauses erforderlich sein. Die genaue Umsetzung hängt von den baulichen Gegebenheiten vor Ort ab.  

Ein Heizungsmonteur an einer Heizungsanlage

Was passiert mit der bisherigen Heizung? 

Sobald die Fernwärmestation in Betrieb genommen wird, übernimmt sie die Wärmeversorgung des Gebäudes. Vorhandene Gasanschlüsse werden anschließend außer Betrieb genommen und zurückgebaut. Während der Umstellung kann es kurzfristig zu geplanten Unterbrechungen bei der Heizung oder Warmwasser kommen. Diese werden jedoch vorher angekündigt, so dass sich die Mieterinnen und Mieter darauf einstellen können.

Warum sich Geduld lohnt

Baustellen bringen immer Einschränkungen mit sich. Parkplätze fallen vorübergehend weg, Wege werden länger und der Straßenraum verändert sich zeitweise. Gleichzeitig entsteht mit jedem neuen Leitungsabschnitt ein Stück Infrastruktur, das die Wärmeversorgung für viele Jahre sichert. Deshalb beginnt der Ausbau nicht erst mit dem ersten Bagger. Er startet Jahre vorher mit sorgfältiger Planung, vielen Abstimmungen und einer klaren Idee:

Fernwärme dorthin zu bringen, wo sie möglichst vielen Menschen zugutekommt.

Autor/in

Julia Grunwald

Content Managerin

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