Eric Frenzels Wintersportkolumne

eins unterstützt den dreifachen Gesamtweltcupsieger und Olympiasieger in der Nordischen Kombination, Eric Frenzel.

Frenzel wuchs in Geyer auf und besuchte das Sportgymnasium in Oberwie-senthal. Im Winter 1994/95, begann der damals 6-jährige mit Abfahrten auf den Schanzen in Geyer im Greifenbachtal. Im Januar 2003 wurde Eric Frenzel Sachsenmeister im Spezialsprung und der nordischen Kombination. Seit 2008 erringt er jedes Jahr Spitzenplatzierungen in der Deutschen Meisterschaft und im Weltcup. 2014 gewann er in Sotschi olympisches Gold. „Um im Sport erfolgreich zu sein, braucht es neben Talent viel Ehrgeiz und hartes Training. Im Wettkampf muss ich meine beste Leistung abrufen können“, so  Frenzel. „Mit eins habe ich einen starken und erfolgreichen Partner aus meiner Heimat an meiner Seite. Wir haben viele Gemeinsamkeiten. Wir sind beide hier in der Region verwurzelt und geben jederzeit unser Bestes.“

„Eric Frenzel ist verlässlich, er ist engagiert und ein fairer Sportsmann“, so Roland Warner, Vorsitzender der eins-Geschäftsführung. „Diese Eigenschaften sind wichtig, nicht nur im Sport, sondern auch für ein Unternehmen. Wir handeln nach diesen Prinzipien und genau deshalb sind wir sehr froh und stolz mit Eric Frenzel ein neues Gesicht für eins zu haben. Wir freuen uns auf die jetzt beginnende Saison und wünschen Herrn Frenzel viel Erfolg. Gemeinsam mit den vielen heimischen Fans stehen wir fest hinter ihm.“

» www.eric-frenzel.com


Unendliches Glück

20. März 2017

Es war in Ansehung des gesamten Saisonverlaufs der schwersterrungene Sieg hinsichtlich der großen Kugel und es gab in den letzten zwei Wochen schon einige Momente, in denen ich zweifeln konnte, ob ich am Saisonende tatsächlich meinen großen Traum umsetzen könnte. Drei Wettkämpfe vor Saisonschluss lag ich hinter Johannes Rydzek, der den Winter seines Lebens erleben konnte und der ein ebenbürtiger Gegner beim Kampf um die große Kugel war. Drei Rennen verblieben nur noch, um das Ruder wieder an mich zu reißen. Dass im Ergebnis drei Siege heraussprangen, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Das letzte Rennen in Schonach vor heimischen Publikum war dann in der Tat das erträumte Finale, das dramatischer nicht hätte verlaufen können, nachdem ich einen schlechten Sprung von der Schanze hatte und Johannes vor mir in die Loipe ging.

Laufen mit Rechenschieber ? Nein, das ist nicht meine Art, ich wollte kämpfen und so viele Plätze im Rennen wie möglich gut machen, damit ich meinen hauchdünnen Vorsprung im Gesamtweltcup halten konnte. Die weiße Loipe inmitten grüner Wiesen war äußerst schwierig zu laufen, da die hohen Temperaturen die Strecke natürlich weich und tief machten. Showdown bei Frühlingsanfang: Johannes lief vorne weg und die Meute mit mir hinterher.  Ich hatte einen guten Ski erwischt und auch mein Körper insgesamt war auf Angriff gepolt. Platz für Platz konnte ich abarbeiten und mich schlussendlich sogar von der Verfolgergruppe lösen, was Platz zwei im Rennen bedeutete, was ja für den Gesamtweltcup ausreichend war; doch ich wollte mich darauf nicht ausruhen, denn ich merkte, dass ich den Abstand auf Johannes auch weiterhin verringern konnte.

Konnte es sein, dass die Kraft noch für den Tagessieg da war?

Mir schossen alle möglichen Gedanken durch den Kopf, auch die vier knappen Sprint –und Fotofinishentscheidungen, die ich gegen Johannes verloren hatte und die mich trotz Hundertstelentscheidungen ganze 80 Punkte in der Weltcupwertung gekostet hatten. Jetzt konnte ich Johannes vor mir sehen und ich erkannte auch, dass er schwer lief. Eine bekannte Rennsituation, die den Verfolger grundsätzlich nochmal mehr beflügelt – und dies war auch bei mir der Fall! Ich holte Johannes ein und hielt zugleich die Grundgeschwindigkeit hoch. Ich merkte, dass ich derjenige war , der heute mehr Körner hatte. Meter für Meter entstand zwischen uns, bis die Gewissheit des Tagessiegs da war. Im Ziele hätte ich gerne die ganze Welt umarmt: die große Kugel war wieder bei mir!

Herzlichst

Eric


Deutsches Finale

17. März 2017

Was will der interessierte Zuschauer mehr als das bevorstehende Saisonfinale an diesem Wochenende? Wir haben am Ende einer anstrengenden Saison mit vielen Glücksmomenten und Erfolgen den echten Höhepunkt immer noch vor uns: ein deutsches Finale sprich die Entscheidung um den Gesamtweltcup zwischen Johannes Rydzek und mir und dies auch noch auf deutschem Boden im Schwarzwald, in Schonach. Noch zwei Wettkämpfe trennen uns von der Entscheidung, wer sich die Krone des diesjährigen Winters aufsetzen darf.

Die Anforderungen an die Nerven könnte nicht größer sein und beide Athleten haben bewiesen, dass sie sich von vermeintlichen, kleinen Rückschlägen nicht beeindrucken lassen und nach einer punktuellen Niederlage wieder zurückgekommen sind. So war es bei mir in Seefeld, als ich im letzten Rennen das Triple doch noch für mich entscheiden konnte, so war es nach dem Triple, als Johannes an seine Vorsiege anknüpfte. In Norwegen konnte ich dann wieder durch einen Sieg die Gesamtweltcupführung übernehmen und liege knapp vor meinem Teamkollegen. Wenn man so will, haben wir auch nach den zwei Schonacher Wettbewerben, eine Art Fotofinish, was die ganze Saison anbelangt. Jede Entscheidung wird eine knappe sein und die wird real mit Hundertsteln korrespondieren.

Was den beiden  gleichstarken Athleten auf dem Sprungbalken durch den Kopf gehen wird, ist schwer vorhersehbar. Fest steht, dass man sich bei den Sprüngen keinen Fehler leisten darf, wenn man den Ausgang des Gesamtweltcups offen gestalten möchte. Wir werden einen Schanzenkrimi erleben!  

Ich hoffe für uns beide, dass wir faire Rahmenbedingungen haben werden. In den letzten Jahren waren die Rennen in Schonach hinsichtlich der Wetter und Windbedingungen immer so eine Art Wundertüte. Ich hoffe, dass für alle die diesjährigen Bedingungen gleich und damit fair sind.

Ansonsten betreiben wir das business as usual. Wir sind angereist, haben leichtes Training gemacht und die Strecken inspiziert. Inwieweit die Frühlingstemperaturen der Streckenführung etwas anhaben kann wird man sehen, wenn die Wärme die Lauftrassen etwas aufweichen werden, wird es jeweils ein sehr schweres Rennen geben. Aber auch das passt natürlich zur Spannung und zum Verlauf der Saison. Aus dem Erzgebirge erwarte ich viele Fans, wie auch Johannes aus dem Allgäu seiner Unterstützer eingeladen hat. Wir werden also fast zwei Fanblocks haben, was es im Weltcup auf unseren Reisen so auch nicht gibt.

Es ist angerichtet, an diesem  Wochenende entscheidet sich der Gesamtweltcup. Für Spannung pur ist gesorgt. Ich freue mich darauf, dass wir ein echtes Finale haben und ich werde alles daran setzen, es für mich zu entscheiden.

Herzlichst

Eric 


Ehrfurcht

10. März 2017

Ich öffne das Fenster : aus dem Hotelzimmer geht der Blick hinauf zum Holmenkollen, dem heiligen Skiberg der Norwerger; wenn ein Ort  im Weltcup einen Mythos darstellt, dann ist es dieser Berg, zu dem die wintersport – und skibegeisterten Norweger nur allzu gerne pilgern, unabhängig davon, ob die Skispringer, die Kombinierer oder die Biathleten gastieren.

Ich liebe diese Anlage, ich liebe Norwegen und ich liebe das norwegische Publikum; die Anlage ist fortlaufend durch die Jahre hinweg immer wieder modernisiert worden und lässt in punkto Komfort für Athleten keinen Wunsch übrig. Landschaftlich einmalig thronen die Schanze und das Langlaufareal hoch über Norwegens Hauptstadt. Während die deutsche Mannschaft am Fuße dieser Anlage immer ein Hotel hatte, übernachten wir nun unten in der Stadt am Wasser mit besagtem Blick bergauf.

Ehrfürchtig lässt man sich durch den Kopf gehen, welche historischen Siege hier schon am Holmenkollen gefeiert worden sind. Ein Sieg am Holmenkollen ist für viele Athleten gleichbedeutend mit einem Weltmeistertitel oder einer olympischen Goldmedaille. Vielleicht braucht es auch jetzt diesen Spirit, wenn wir am Ende langen und kräftezehrenden Saison auf die Zielgerade gehen, auch wenn das Ziel der Gewinn des Gesamtweltcups darstellt. Die Ausgangsituation ist leicht vorteilhaft für Johannes Rydzek , aber die letzten vier Wettkämpfe, zwei auf norwegischem und zwei auf deutschem Boden, werden für uns beide kein Zuckerschlecken werden. Es ist eine mentale Ausnahmesituation, in der man sich befindet. Der Gejagte kann leicht nervös werden, wenn er daran denkt, den Vorsprung vielleicht doch noch aus der Hand geben zu müssen, der Jäger ebenso, wenn er sich bewusst macht, dass er sich keine Fehltritte leisten darf. Es ist spannend und Spannung liegt auch über dem jetzigen Weltcuport, dem Holmenkollen.

Ich habe die Tage nach der Weltmeisterschaft gut regeneriert, bin wieder frisch im Kopf und hochmotiviert, wenn es um die große Kugel geht. Leichtes Training unter meinem Heimtrainer und Stunden mit meiner Familie haben mir richtig gut getan.

Mit dem Blick auf den Holmenkollen rückt die historische Situation des gegenwärtigen Weltcups in den Blick. Reißt meine Siegeserie oder schaffe ich es, den fünften Gesamtweltcupsieg zu erringen.

Die Erfolge unseres Teams werden zu einem Kuriosum führen. Samstag werden wir nach dem Wettkampf  von Oslo nach Frankfurt fliegen, um  im Aktuellen Sportstudio aufzutreten. Sonntag reisen wir dann wieder nach Trondheim an, was meinem Tunnelblick nicht im Weg stehen werden wird.

Ich bin konzentriert und habe vier ganz entscheidende Wettkämpfe vor mir, den ersten hier auf dem Holmenkollen .

Herzlichst

Eric


Gold-Drama

05. März 2017

Ja, es war zum Schluss nochmal Drama pur, was im abschließenden Teamsprint passierte. Johannes und ich erwischten wieder mal nicht die besten Bedingungen beim Springen und konnten dementsprechend auch nicht mit den besten Weiten aufwarten. 16 Sekunden Rückstand in der Loipe auf Frankreich waren dabei nicht das ernsthafteste Problem, das es nun in der Loipe zu lösen galt. Viel besorgniserregener waren die Szenarien, in denen wir durchspielten, was geschehen muss, wenn es im Rennen zu Zusammenschlüssen  mit laufstarken Nationen kommt- und es kam so. In der Loipe fand sich recht schnell eine Fünfergruppe zusammen, die stabil blieb und die vom taktischen Laufen bestimmt war. Keiner wollte vorschnell attackieren und so wechselte man sich bei  ordentlicher Laufgeschwindigkeit brav mit der Führungsarbeit ab. Ich hatte stets Magnus Moan dabei im Blick, der mir mit als der laufstärkste Athlet galt, aber auch als der angriffslustigste. Magnus kann ein Kannibale in der Loipe sein und so heftete ich mich im Pulk genau an seine Skier, um sofort reagieren zu können, wenn der Angriff kommen sollte…

…und dieser Angriff kam. Anstieg auf der vorletzten Runde. Magnus schaut sich kurz um, um offensichtlich die Kräfte der anderen einzuschätzen: ein Alarmsignal für mich. Im gleichen Moment kommt auch schon die Attacke. Wenn wir Gold wollen, müssen wir jetzt dranbleiben. Moan sprengt die Gruppe, die anderen Läufer müssen abreißen lassen und ich, ja ich kann dranbleiben. Das Tempo wird wieder kontrollierter und wir haben eine Phase des ruhigen Zweikampfs. Ich beschäftige mich in Gedanken mit dem letzten Wechsel auf Johannes: Cool bleiben, richtig abschlagen und meinen Teamkollegen auf die letzte Runde schicken.

Beim Wechsel  sind Norwegen und Deutschland gleichauf. Ich habe ehrlich gesagt ein gutes Gefühl, weil ich vor allem um die Sprintfähigkeiten meines weltmeisterlichen Kollegen weiß

Doch manchmal passieren ungeahnte Dinge. In der letzen Kurve, bei der alle schon  gedanklich beim Zielsprint waren, stellt sich ein überrundeter Athlet al s Hindernis dar. Für die beiden Führenden muss dieser Läufer wie aus dem Nichts aufgetaucht sein, nachdem sie die letzte Kurve durchlaufen hatten. Johannes reagierte mit einem gewagten Überholmanöver. Der Norweger Krog reizte den  Zweikampf nicht aus, der wohl zu einem Sturz des Führungs-Duos geführt hätte.  Ab da zog Johannes bis zum Ziel kraftvoll durch und konnte mit einem Schrei in den finnischen Abendhimmel  den Sieg für uns bejubeln.

Gold für Deutschland- und das zum vierten Mal im vierten Wettbewerb. Das Team hat  bei dieser Weltmeisterschaft Historisches geleistet. Wir werden ein paar Tage brauchen, um das, was in Finnland passiert ist, zu verinnerlichen.

Herzlichst

Eric


Windlotterie

02. März 2017

Diesmal hat es uns Deutsche richtig erwischt, obwohl das Rennen von Johannes Rydzek sogar noch gewonnen werden konnte. Es war Windlotterie und wir waren nicht in der Verlosung. Als Zuschauer kann man am Fernsehgerät die Dinge trotz der Anzeige von Windsimulationen an der Schanze nicht richtig einschätzen. Es war beim Wettkampf von der großen Schanze schlimmer als es aussah. Das  Problem der Windsysteme ist , dass sie nicht differenziert genug anzeigen. Kommt der Wind von frontal von vorne, so wird Aufwind angezeigt, was natürlich für jeden Springer das Ideale ist. Kommt der Wind dagegen mit einem Winkel von 80 Grad seitlich, so zeigt das System den gleichen Aufwind an, wie beim frontalen Windstoß. Erst wenn der Wind über einen Winkel mit 90 Grad dreht, wird der Rückenwind angezeigt, bei dem man eben nicht abgewunken wird und man eher sogar wieder den Sitzbalken verlassen muss. So lagen die Dinge für uns Deutsche gestern:  der Wind drehte gestern ständig; trotz einer Aufwindanzeige kam der Wind so stark von der Seite, dass er sich im Flug wie ein Rückenwind auswirkte, der uns schnell nach unten drückte. Aller innerer Protest konnte daran nichts ändern. Wir betreiben eine Freiluftsportart und das haben wir gestern zu spüren bekommen- umso bitterer, wenn man in der Analyse vor dem Bildschirm sehen muss, dass man  im Grunde einen idealen Sprung hingelegt hatte. Mein persönliches Ergebnis mit dem 14. Platz nach dem Springen war natürlich frustrierend. Im Lauf konnte ich eigentlich nur das retten, was zu retten war. Die Wahrheit ist zumutbar: es muss auch mal Tage ohne Medaille geben.

Dafür sehen wir auf den vor uns liegenden Team-Wettkampf, in dem ich mit Johannes Rydzek an den Start gehen werde, voller Erwartung. Als Nummer eins und Nummer zwei der Gesamtweltcupwertung gehen wir an den Start und müssen uns der Favoritenrolle fügen, in die uns die anderen Nationen stecken. Doch wie beim Wettkampf von der großen Schanze gesehen, gibt es viele Väter des Erfolgs; einer davon liegt in ordentlichen Rahmenbedingungen.

Vor dem letzten Wettkampf der Kombinierer und der damit verbundenen letzten Medaillenchance lassen wir es im Mannschaftsquartier ruhig angehen. Regenerative Maßnahmen stehen auf dem Programm und die sehen bei jedem etwas anders aus. Ich gehe zur Massage, machte leichtes Jogging im Schnee und lese etwas.

Ich möchte einen guten Team-Wettkampf mit Johannes machen und wir beide wollen um die Vergabe des Weltmeistertitels ein Wörtchen mitreden.

Herzlichst

Eric  


Wir sind Weltmeister!

27. Februar 2017

Nach getaner Arbeit stehen wir im Schneeregen von Lahti und schreien unsere Freude vor den laufenden Kameras heraus:  Wir sind Weltmeister! Wir haben unseren Titel in der Staffel der Nordischen Kombination verteidigt, nachdem wir bei der letzten Weltmeisterschaft eine 27jährige Titellosigkeit beendet hatten.

Es war ein Bilderbuchwettkampf, bei dem Nervosität oder Druck bei uns allen nicht existierte. Schon im Springen konnten wir unsere PS auf die Straße bringen und unserer Favoritenrolle, die wir nach dieser für das deutsche Team so überragenden Saison zweifellos inne hatten, mühelos gerecht werden.  Gute Weiten von Johannes, Björn, Fabian und mir bewirkten für das Rennen einen Vorsprung von 44 Sekunden auf Japan und Minutenabstände auf die Norweger und die Österreicher.

In der Mittagspause erfolgte dann die taktische Besprechung mit dem Bundestrainer. Was mussten wir im Blick haben? : die schlechten Wetterbedingungen mit Neuschnee und die laufstarken Nationen Norwegen und Österreich, die wohl einen Zug aufmachen würden, um uns Sekunde für Sekunde abzunehmen. Die Vorgabe an uns war also, das Grundtempo von Anfang an, so wie denkbar zu halten.

Björn Kicheisen machte den Anfang und er machte auch von Anfang an klar, dass er keine einzige Sekunde auf die Verfolger verlieren wollte. Die Motivation für ihn war prägender wie sie nicht anders sein konnte. Nach 11 WM-Medaillen in seiner Karriere wollte er zum ersten Mal eine goldene gewinnen. Nie war die Chance dafür größer gewesen als an diesem Nachmittag. Die Übergabe erfolgte dann an mich, der sich mit dem Norweger Kokslien auseinandersetzen musste. Wenn es in dem gesamten Staffelrennen eine Situation gab, die von uns Wachsamkeit erforderte, war sie jetzt gekommen. Kokslien und der Österreicher Bernhard Gruber hatten sich wie erwartet  zusammengeschlossen und machten ordentlich Geschwindigkeit. Nach einem Anstieg bekam ich vom Bundestrainer, dass der Vorsprung auf die beiden Verfolger nur noch eine halbe Minute betrug und dass sie damit den deutschen Vorsprung vom Start bei noch nicht mal der Hälfte der Strecke halbiert hatten.  Jetzt war Alarm in der Loipe. Ich setzte zum einem längeren Zwischenspurt an und konnte relativ schnell wieder Zeit und damit Distanz zwischen uns bringen. 50 Sekunden Vorsprung konnte ich im Ziel  an Fabian übergeben, der diesen auch wieder an Johannes weiterreichen konnte. In dem Moment der Übergabe an unseren Schlussläufer wusste ich, dass uns der Sieg nicht mehr genommen werden konnte, wenn nicht noch etwas Außergewöhnliches wie ein Stockbruch oder ein Sturz passieren würde.

Der entscheidende Schritt über die Ziellinie wurde von uns mit großem Jubel quittiert: Wir haben es geschafft und sind sehr glücklich darüber.

Herzlichst

Eric


Familienrituale

23. Februar 2017

Alle sportlichen Vorbereitungen  für den ersten  Weltmeisterschafts-Wettbewerb in Lahti sind abgeschlossen. Morgen früh startet der erste Wettkampf um Gold und Titel.

Während ich die letzten Stunden vor dem ersten Sprung entspannt im Hotel verbringe, durchlebt gerade meine Familie den gewöhnlichen Anreisestress. Meine Eltern, Laura und Philipp sowie weitere Verwandte und Bekannte befinden sich auf dem Weg nach Prag zur Abendmaschine, die nach Helsinki fliegen wird, um mich als WM-Reisegruppe morgen an der Schanze und an der Loipe zu unterstützen. Standort der Gruppe wird das Hotel „ Cumulus“ in  Helsinki sein; zu den Wettbewerben werden alle mit Mietautos nach Lahti reisen, ansonsten werden sich meine Lieben in der finnischen Capitale ganz touristisch geben.

Die Unterstützung meiner Familie ist für mich ein wichtiger Faktor beim Wettkampf; in der Loipe steht mein Sohn Philipp immer an einem bestimmten Punkt, damit ich sein Winken mit dem Fähnchen auch gut sehen kann. An der Schanze steht er möglichst weit oben, damit er mich während des Fluges mit einem langen „Papa, ziiiiieh!“ an sich vorbeigleiten sieht. Die einzelne Stimme meines zehnjährigen Sohnes kann ich natürlich während des Sprungs nicht wahrnehmen, doch nehme ich symbolisch das tausendfache Anfeuern der Fans als eine, nämlich seine Stimme und diese Vorstellung  motiviert mich sehr.

Während Philipp mit Fähnchen und kleiner Trompete unterstützt, üben sich die erwachsenen Familienmitglieder in einem anderen Ritual, das mittlerweile auch in den Medien bekannt geworden ist und das ich an dieser Stelle schmunzelnd bestätigen kann. In der Tat ist es so, dass meine Familie beim Springen den sogenannten „Balken- Schnaps“ miteinander trinkt. Während ich auf dem Balken sitze und auf das Abwinken des Trainers warte, macht sich die Gruppe bereit und setzt ihrerseits kollektiv das Schnapsgläschen an. Erfolgt das Signal zum Anfahren wird von den Teilnehmern dieser schnapsseligen Runde das Gläschen geleert und mit dem Ruf „Viel Glück, Eric“ mein Tun auf der Schanze beobachtet. Der jeweilige Inhalt in den Gläsern wird dabei durchaus in Beziehung zu meiner Leistung gesetzt. Nach allen familieninternen Auswertungen springe ich bei Enzian im Stamperl ein bis zwei Meter weiter als bei Vogelbeere oder Marillenbrand. Weite und perfekter Telemark sollen angeblich beim Trinken eines „Hirschkusses“ gelingen.

Ich konzentriere mich natürlich auf meine Fähigkeiten und bin ansonsten froh, dass im Einzelwettbewerb immer nur ein Springen stattfindet und sich damit der Konsum der beschriebenen Getränke für meine Anhänger ganz von allein beschränkt.

Das schönste Ritual ist für mich natürlich, wenn mein Sohn bei nicht so gestrengen Ordnern in den Auslauf darf, um mich für die gezeigte Leistung zu beglückwünschen. Ich hoffe, dass es hierzu morgen einen Anlass gibt.

Herzlichst

Eric


Countdown in Lahti

21. Februar 2017

Die Anreise nach Lahti beginnt voller Vorfreude. Nach dem Take-off in München lasse ich bei geschlossenen Augen diese unglaubliche Saison nochmals Revue passieren. Nie habe ich einen härteren Zweikampf ausgefochten als in diesem Winter mit meinem Mannschaftskamerden Johannes Rydzek. Allein vier Rennen wurden im Fotofinish ausgewertet. Die Gesamtweltcupführung wechselte bisher zwischen uns im Wochentakt und jeder Wettkampf wurde von uns beiden so geführt als ob es keinen Morgen gäbe. Spektakulärer kann eine Saison nicht verlaufen und das ist gut für die Zuschauer und damit für unseren Sport. Auch aus gesamtdeutscher Sicht kann ein Weltcupwinter nicht besser verlaufen. 18 von 19 Weltcuprennen wurden mit einem deutschen Sieger beendet. Wir sind die klaren Favoriten auf Mannschaftsgold.

Wir landen in diesem  Winter zum zweiten Mal in Helsinki, um dann über Land nach Lahti gefahren zu werden. Für mich persönlich ist es ein Novum, in einem Winter gleich zweimal an einen Austragungsort zu reisen, einmal zu einem Weltcup und danach zu einer Weltmeisterschaft.

Ich bin gerne in Lahti, vor allem wir Kombinierer sind in Finnland gerne gesehen. Nirgendwo mehr als hier gelten wir als Königsdisziplin des Winters, weil der Athlet eben zwei Sportarten beherrschen muss, nämlich Springen und Laufen.

Während der Busfahrt nähere ich mich langsam an die Weltmeisterschaft an. Der Weltcup macht Pause, auch zählen die WM-Ergebnisse nicht für die Gesamtweltcupwertung. Vier Wettkämpfe liegen vor mir, zwei Einzelwettbewerbe von großer und kleiner Schanze und dann noch zwei Teamwettbewerbe, darunter vor allem die Staffel.

Bei der letzten Weltmeisterschaft war ich nicht in allerbester Form, gegenwärtig bin ich so stark, wie es mir nicht besser vorstellen kann. Die Laufform stimmt und beim Vorbereitungslehrgang in Oberstdorf konnten die letzten Schwachstellen beim Springen abgestellt werden. Ich denke, dass sich Johannes und ich treu bleiben werden: im Kampf um die Medaillen wird es diesmal um wenige Meter und Hundertstel gehen.

Der Shuttle fährt vor den Hoteleingang. Unsere Techniker, die im Truck schon vor zwei Tagen angekommen waren und Ausrüstung sowie Wachsequipment auf dem Land-und Schiffsweg nach Lahti gebracht haben, begrüßen uns. Auspacken und Einchecken- in einer halben Stunde ist Mannschaftsbesprechung, die Trainingszeiten werden bekannt gegeben sowie weitere organisatorische Vorgaben des Veranstalters und der FIS – business as usual.

Abends im Bett bin ich müde vom Reisestress und aufgeregt in Ansehung der bevorstehenden Tage zugleich. Ich bin Lahti, es ist Weltmeisterschaft , ich werde mein Bestes geben, ich möchte Weltmeister werden!

Herzlichst

Eric


Ruhe vor dem Sturm

13. Februar 2017

 Ich bin zum Vorbereitungslehrgang auf die Weltmeisterschaft in Oberstdorf eingetroffen. Hier im Allgäu soll sich unser Team auf die Wettkämpfe einstimmen. In den nächsten Tagen wird der Fokus der Vorbereitung dabei ganz auf dem Springen liegen.

Die Saison stand bisher im Zeichen meines Kopf-an –Kopf –Rennens mit Johannes Rydzek. Dabei bezog sich  „Kopf –an – Kopf“ nicht nur auf die Führung und den Punktestand im Gesamtweltcup, sondern auch auf zahlreiche Schlusssprints zwischen uns am Ende einer Wettkampfstrecke. Hundertstel und Fotofinishs prägten diesen Zweikampf, der wohl Spannung pur vermittelt hat. Wir alle hatten ein paar Tage Ruhe im Kreise unserer Familien und damit Ruhe über die anstehenden Titelkämpfe nachzudenken.

Meine Erkenntnis: der Schlüssel zum Erfolg liegt einmal mehr im Springen. Auf der Schanze sind die entscheidenden Vorsprünge für die Loipe herauszuarbeiten und das bedeutet für den Lehrgang akribische Analyse des Sprungvorgangs von der Hocke über den Gleitvorgang bis hin zum Absprung und des folgenden Fluges samt Landung.

Wir werden zusammen mit den Trainern jedes Element jeder Sprungphase an den Computern nachvollziehen und Ableitungen vornehmen zur Optimierung. Während wir in der Vorbereitung auf die Saison pro Tag 6-8 Sprünge absolvieren, wird es sich jetzt beim „Feintunning“ um 3-4 Sprünge pro Trainingstag  handeln, was mir auch ganz recht ist, um meinen Schienbeinen nicht zu viel Druck zuzumuten, der bei weiten Sprüngen auf die Schienbeine wirkt und der im Sommer bei mir zu Knochenhautreizungen geführt hatte.

Das Grundgefühl für das Springen ist durch die Weltcupsaison auch gegeben, es geht wirklich um eine detaillierte Betrachtung des Gesamtsprunges, um kleine Defizite aufzudecken, deren Beseitigung leicht zu drei bis vier Metern Springweite führen könnte.

Bei der Vorbereitung bin ich ganz bei mir und fokussiert darauf, letzte Stellschrauben zu justieren.

Ansonsten lebt das Trainingslager von Geselligkeit und lässt die Mannschaft noch näher zusammenrücken. Beim Karten – oder Fußballspielen liegt ein besonderer Team-Spirit in der Luft. Es ist unausgesprochen, aber es schwebt über uns allen:  Ja, wir wollen unbedingt das Staffel-Gold holen.

Ein Blick auf die Gesamtweltcupplatzierung zeigt, dass die Chancen, gemessen an den Saisonleistungen der einzelnen Teammitglieder, nie zuvor so gut waren, Gold zu erringen. Doch man sollte sich in Bescheidenheit üben, entscheidend sind bei einem Großereignis immer die Tagesform und die aktuelle Gesundheit.

Ansonsten: es ist die Ruhe vor dem Sturm..

Über den Tag hinweg sind alle sehr ruhig und konzentriert. Leise bereiten wir uns auf die vier Wettkämpfe der Weltmeisterschaft vor ,um  hoffentlich um so lauter in Lahti jubeln zu können.

Herzlichst

Eric


UWV

09. Februar 2017

 „Papa, Schneeschippen“ – mein 16 Monate alter Sohn Leopold hat die Grundzüge des Schneeschippens in der Einfahrt seiner Auffassung nach schon genauestens verstanden. Während  ich den Weg zum Haus freischaufele, steht Leopold auf einem kleinen Schneehügel daneben und schippt von diesem mit einer kleinen Schaufel immer wieder Schnee auf den Weg, den ich eigentlich schon frei gemacht hatte.

„ Nein, Leopold, nicht  den Schnee wieder zurückschaufeln“ Mein Sohn ist unbeirrt und meint, mir auf diesem Wege den Schnee unentwegt zur Verfügung zu stellen, den ich wieder zu beseitigen habe.

Ich bin mitten in meiner UWV. Hinter diesem Kürzel, erfunden von unserem Bundestrainer Hermann Weinbuch, verbirgt sich ein Programm, das gezielt auf den Höhepunkt der Saison wirkt: Unmittelbare Wettkampf Vorbereitung.

Dies bedeutet im Einzelnen: aus ein paar Tagen Regeneration kommend, bauen wir unsere Leistungsfähigkeit noch mal von Grund auf. Ich genieße also alle Spielchen im Schnee mit meinem jüngsten Spross, bevor ich morgen, daran gehe, mir den Feinschliff für die Weltmeisterschaft zu holen. Durch bestimmte Trainingssequenzen in der Loipe wird Spritzigkeit entwickelt, auch Kraft soll aufgebaut werden. Dies geschieht bevorzugt im Heimtraining, bevor wir uns nächste Woche in Oberstdorf zum WM-Lehrgang treffen, um dort vor allem an den Sprüngen zu arbeiten. Während das heimische Lauftraining für mich business as usual ist, bin sehr erpicht auf das Sprungtraining. Insbesondere werde ich meine Hocke in der Anfahrtsspur analysieren und hoffentlich optimieren Es geht vor allem um den Moment des Absprungs, bei dem ich in den letzten Wettkämpfen etwas spät dran war und so einige Meter Sprungweite verschenkt habe. In Ansehung der knappen Entscheidungen in der Loipe gegen und mit meinem Widersacher Johannes Rydzek, muss ich noch akribischer auf der Schanze arbeiten: es geht im Moment einfach um jeden Meter und damit um jede Sekunde, die man durch einen guten Sprung auf den Konkurrenten gut machen kann.

Ich bin vollkommen fokussiert auf die vier Wettbewerbe der Weltmeisterschaft in Lahti, die nicht wie in anderen Sportarten, für die Weltcupwertung gelten . Das heißt, dass das dramatische Kopf-an-Kopf-Rennen um den Gesamtweltcup in eine kurze Pause geht, bevor nach der Weltmeisterschaft nur noch vier Weltcupstarts anstehen, darunter zwei Rennen in Schonach.

Jetzt geht es gegenwärtig gedanklich nur noch um die WM, anlässlich derer wir uns alle unglaublich auf die Teamwettbewerbe freuen. Der Countdown läuft, ich bin heiß auf die UWV und hoffe aus dieser gestärkt und gut vorbereitet hervorzugehen.

Herzlichst

Eric


Fragen und Antworten

06. Februar 2017

„Wie ich in Zukunft vermeiden möchte, im Fotofinish zu unterliegen? Was ich mir im Einlauf auf der Zielgeraden  überlege, um Johannes Rydzek zu schlagen? Ob drei Fotofinish-Niederlagen in Folge bei mir eine psychische Blockade verankern?“ 

Das sind die Fragen, die nach wieder zwei packenden Zweikämpfen in Korea zwischen Johannes Rydzek und mir von Journalisten aufgeworfen werden. Im Stakkato beantwortet möchte ich sagen:

Ich spiele mit dem Gedanken, meine Skier um einen Zentimeter künstlich zu verlängern, um im Fotofinish mit einem halben Zentimeter die Nase vorn zu haben – nein, nein, das war natürlich ein Spaß! Es gibt kein Rezept, ein Fotofinish zu vermeiden, außer der Möglichkeit, ein Rennen auf der Strecke und nicht auf den letzten 100 Metern zu entscheiden. Das strebe ich aber von Natur aus an. Dass ich auf drei Wimpernschlag-Zieleinläufe zurückschauen muss, ist ein großer Zufall, den man nicht überbewerten sollte. Nach wie vor gilt, dass ich versuche, Entscheidungen während des Rennens herbeizuführen, wie in unserem letzten Rennen, als ich am letzten Anstieg attackiert habe, Johannes aber dem Angriff standhalten konnte.

Ich denke auch nicht auf der Zielgeraden; damit würde ich auf Anhieb Energie und Zeit verlieren. Auf der Zielgeraden funktioniert man nur noch körperlich bis –wie Johannes Rydzek es ausdrückte-einem „schwarz“ vor Augen wird. Gedacht, intuitiv gefühlt wird auf der Strecke, während des Rennens, wo man versucht, die Kraftreserven seines Gegners einzuschätzen.

Psychisch setzen mir Fotofinish-Niederlagen auch nicht zu, da die Bestätigung einhergeht, dass man im Grunde gleichstark mit seinem Konkurrenten ist.

Die zwei wichtigsten zitierfähigen Erkenntnisse sind jedoch: es macht mir einen Heidenspaß in der jetzigen Situation im Weltcup gegen Johannes anzutreten. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf höchstem Niveau und damit eine große Werbung für unseren Sport oder wie es der Bundestrainer am Wochenende ausdrückte „ die brutalste Show aller Zeiten“.  

Zum anderen glaube ich, dass der Gesamtweltcup nicht in Fotofinishs entschieden wird. Wir kommen nun in das letzte Drittel der Saison, die gerade auch im Hinblick auf die packenden Zweikämpfe zwischen  Johannes und mir für uns beide besonders kräftezehrend war. Es wird jetzt im Wesentlichen darum gehen, wer die Kräfte in den verbleibenden Saisonrennen besser mobilisieren kann.

Das Weltcupwochenende in Sapporo auszulassen, ist eine kluge Entscheidung, was die allgemeine Regeneration anbelangt. Das Heimtrainingslager vor der Weltmeisterschaft ist vor allem zu nutzen, auf der Schanze zu arbeiten, um Sprünge zu optimieren. Jeder Meter mehr beim Springen ist besser als jede Hundertstel Sekunde auf der Zielgeraden.

Daran muss man nun mit kühlem Kopf arbeiten!

Herzlichst

Eric 


Terra incognita

03. Februar 2017

Vier Stunden vor Abflug nach Asien treffen sich alle Athleten und Betreuer am Münchner Flughafen, um zusammen das Sperrgepäck zu packen – jeder hat zwei bis drei große Taschen an der Hand mit Sprunganzügen, Helmen, Skiern und das, was man eben so braucht für einen sportlichen Kurztrip nach Pyoengchang in Korea. 

Im Team war lange diskutiert worden, ob wir angesichts der nahenden Weltmeisterschaft überhaupt nach Asien reisen sollten. Viele Nationen entsenden lediglich die B-Mannschaft und insgesamt werden nur 32 Starter in die koreanischen Wettkämpfe gehen.

Ich wollte unbedingt fliegen und war ein großer Verfechter für ein Antreten beim koreanischen Weltcup, der ja die olympische Generalprobe darstellt. Noch fand hier vorher kein Weltcup der Nordischen Kombinierer statt. Gespannt bin ich auf Land und Leute genauso wie auf die olympischen Anlagen. Ich möchte ein Gefühl für die dortige Schanze entwickeln, möchte das Wettkampfareal kennen lernen, will einfach wissen, wohin es geht, wenn ich daran gehe, meinen Olympiasieg zu verteidigen. Mit mir fliegen auch Fabian Riessle und Johannes Rydzek; gemeinsam werden wir aber nach Pyoengchang direkt wieder nach Hause fliegen, um dann mit der WM-Vorbereitung zu beginnen. Dass heißt, dass wir auf einen Start in Sapporo verzichten, obwohl das der beliebteste Weltcuport bei den Athleten ist.

Das gemeinsame Packen am Airport macht einen Heidenspaß und drängt die Strapazen, die vor uns liegen ein wenig in den Hintergrund: elf Stunden Flug nach Tokio, drei Stunden Aufenthalt, dann vier Stunden Weiterflug nach Seoul, weitere drei Stunden Bustransfer nach Pyoengchang.

Dann werden zwei weitere Wettkämpfe folgen, die im Hinblick auf die Gesamtweltcupwertung immens wichtig sind. Die derzeit meist gestellte  Frage der Journalisten ist die nach dem Zweikampf mit Johannes Rydzek, bei der wir sie beide regelmäßig alle enttäuschen müssen: „ Ja, die Stimmung im Team ist gut, jeder schaut auf sich, will seine beste Leistung abliefern, nach dem Wettkampf sitzen wir gemeinsam zusammen, man ist mehr Freund als Konkurrent.“

In der Tat ist es so, dass die Staffel der Weltmeisterschaft als freudiges Ereignis miteinander diskutiert wird. Die tolle Teamleistung, die jetzt schon über die gesamte Saison hin anhält, wollen wir im Kampf um Staffelgold unbedingt bestätigen. Es scheint, als ob für alle dieser Wettkampf der Höhepunkt der Saison werden wird.

Alles ist verpackt und während die großen, sperrigen Pakete auf dem Weg ins Innere des Flugzeugs sind, gehen wir gut gelaunt zum Check-Inn. Wir fliegen in ein unbekanntes Land und freuen uns darauf.

Herzlichst

Eric   


Schwerstarbeit

30. Januar 2017

Ein vierter Triple- Erfolg in Seefeld steht zu Buche! Was sich leicht anhört, war in Wahrheit ein großes Stück Arbeit wie alle verständigen Zuschauer mit bekommen haben. Die drei Wettkämpfe von Seefeld waren eine große Werbung für unseren Sport. Packender hätte der Zweikampf um den Triple und um die Gesamtweltcupführung zwischen Johannes Rydzek und mir nicht sein können. Verlor ich die ersten beiden Wettkämpfe auf der Zielgeraden hauchdünn im Sprint, stand am Sonntag der letzte Wettkampf an, mit zwei Sprüngen von der Schanze und 15km-Lauf in der Loipe. Bei meinem ersten Sprung konnte ich nicht exakt von der Kante abspringen und verschenkte einige Meter, was mir rechnerisch einen 20-Sekunden-Rückstand auf Johannes Rydzek einbrachte. Trotz guten Sprungs im zweiten Durchgang gelang es mir nicht, diese Zeitdifferenz zu reduzieren. Für das Rennen ergab sich dann die pole Position für Johannes und ein vierter Platz für mich mit dem benannten Abstand. Zwischen Johannes und mir lagen noch die Österreicher Gruber und Heidel. Damit war die Taktik klar-eine Aufgabe wie aus dem Lehrbuch.

Ich wollte und musste von Anfang an das Tempo konstant hochhalten, was die Spitze anbelangte, während ich die Nebenaufgabe zu lösen hatte, mich mit den Österreichern so schnell wie denkbar zu verbünden, um einen kräftesparenden Zug aufzumachen. Das Einholen des Zweit-und Drittplazierten gelang sehr schnell, allerdings wollten die Kollegen aus dem Nachbarland mein hohes Tempo nicht mitgehen, was dazu führte, dass ich recht schnell wieder alleine in der Loipe war.

Alle Blicke und Sinne richteten sich weiter nach vorne auf Johannes, auf den ich mit diesem hohen Tempo konsequent Boden gut machen konnte. Ende der 3. Runde: ich sehr Johannes erstmals in der Loipe vor mir, was zusätzliche Kräfte frei macht. Ich sauge mich langsam an und hole ihn ein. Ausruhen nun steht nicht auf der Agenda. Ich halte mir die letzten beiden Zielsprints vor Augen und möchte keinesfalls riskieren, den Triple-Sieg auf den letzten Metern aus der Hand zu geben. Also geht es weiter mit dem mörderischen Tempo, mit ich mich bemühe, Johannes mürbe zu machen.

Wir sind in der 5. Runde und ich merke zum ersten Mal, dass Johannes Probleme hat und dass ein kleines Loch zwischen uns entsteht. Das ist der richtige Zeitpunkt zum Angriff- ich verschärfe nochmals, um den Abstand zwischen uns größer werden zu lassen, was gelingt. Ich löse mich endgültig.

Die Rennentwicklung beflügelt mich. Ich habe mein viertes Triple vor Augen. Beim Zieleinlauf schaue ich nochmals zurück. Ich bin allein. Ich habe es geschafft. Der vierte Sieg in Folge. Ich bin glücklich.

Herzlichst

Eric


Stockbruch

23. Januar 2017

Was der Knoblauch für den Vampir ist, ist wohl für uns Athleten ein Stockbruch im Rennen, insbesondere wenn er sich in der entscheidenden Phase des Rennens ereignet. Ein solcher Stockbruch kommt gar nicht so selten vor. An sich ist so ein Carbon-Stock stabil, erhält er doch einen stumpfen Stoß durch einen anderen harten Gegenstand,bricht er ähnlich keramischen Werkstoffen.

In den letzten Jahren von einem solchen Malheur verschont geblieben,widerfuhr mir am letzten Samstagrennen ein derartiges Mißgeschick: 800 Meter vor dem Ziel befand ich mich in der Spitzengruppe auf dem Weg zu einem letzten kleinen Anstieg. In einer engen Kurve rückten die Athleten stark zusammen und in der Luft trafen sich mein Stock und der Ski eines neben mir laufenden Athleten. Der Schub meiner Führhand ging ins Lere, wodurch ich im ersten Moment leicht ins Staucheln kam. Ein schneller Blick auf die Hand ließ die Vermutung Gewißheit werden. Das, was an der Handschlaufe baumelte. würde mir nicht wirklich auf dem Weg zum Ziel weiterhelfen.

Nach einer Schrecksekunde verfällt der Athlet dann in eine Art Notfallprogramm, bei der zwei Dinge im Vordergrund stehen: da in meinem Fall die Führhand betroffen war, musste ich mein Anschub-und Laufverhalten ändern. Die Hand mit dem intakten Stock muss die Führung und den entsprechenden Druck übernehmen. Nun ist es so, dass man im Training manchmal Übungen mit einem Stock versieht, so dass auch diese Dinge halbwegs automatisiert und darstellbar sind. Die zweite Frage stellt sich dann nach dem schnellstmöglichen Ersatz: woher bekomme ich einen neuen Stock?

Mein Glück im Unglück war, dass sich der Stockbruch kurz nach der Coaching -Zone ereignete und von einem der deutschen Betreuer noch gerade so gesehen werden konnte. Per Funk wurde dieser Umstand dann an den nächsten Streckenposten übermittelt. Die Streckenposten führen ein kleines Stockdepot mit sich. Für jeden Athelten, der sich im Rennen befindet, wird der Stock in seiner Größe vorgehalten. Nach Eintreffen der Funknachricht wird und wurde auch bei mir schnell gehandelt. Der Streckenposten sprintete entlang der Wettkampfstrecke mir entgegen. Nach etwa 500 Metern sah ich unseren Mann mit dem Stock winkend auf mich zukommen. Dann folgt bzw. folgte der schwierigste Moment der Ersatzbeschaffung. Da ich mich auf der Abfahrt befand, hatte ich schon ein relativ hohes Tempo. Wie bei einer Staffelübergabe, kann man so natürlich schnell mal vorbeigreifen oder der Gebende hält den Stock nicht passend an. Kurz vor dem Zusammentreffen mit meinem Betreuer löste ich die Handschlaufe des Stocks und warf denselben seitlich in den Schnee. Sekunden später griff ich den perfekt in die Loipe gehaltenen Ersatzstock und schlüpfte mit der Hand in die Schlaufe...und war wieder vollwertig ausgerüstet.

Während ich fast einen halben Kilometer mit meinem Problem zu kämpfen hatte, konnte sich die Spitzengruppe selbstverständlich von mir lösen. Auch bei kleineren Anstiegen hat man gegen andere Weltklasseathleten keine Chance, wenn einem der Stock fehlt. Im Grunde genommen versucht man in einer solchen Situation, den Kampf gegen die auflaufenden Athleten zu gestalten und für sich zu entscheiden, indem man so schnell wie möglich den Ersatz in die Hände bekommt. Die Entscheidung in der Spitze fällt ohne einen. So bin ich im Ergebnis doch recht zufrieden, dass ich trotz dieses kleinen Unfalls noch den vierten Platz retten und damit auch wichtige Punkte im Kampf um den Gesamtweltcup sammeln konnte.

Auch nach Seefeld reise ich nun im Gelben Trikot an und freue mich auf den bevorstehenden Triple-Wettkampf, bei dem ich in den letzten Jahren bei neun Starts neunmal erfolgreich sein durfte. Das nehme ich mal als ein gutes Omen und sage allen, die mich an dieser Stelle auf dem Weg durch den Weltcup begleiten meine herzlichsten Grüße.

Eric


Bettgeschichten

19. Januar 2017

Der Wecker klingelt, das Ritual beginnt - nachdem der dritte Ton verstummt ist, zähle ich im Geiste drei Sekunden ab, bevor ich das Geräusch höre, das dem Wecker folgt, wenn ich mir mit Björn Kircheisen, meinem langjährigen Mannschaftskameraden und Freund, das Doppelbett auf der Weltcupreise teile: Bomm!

Was sich je nach Bodenbelag und Deckenbeschaffenheit des Hotelzimmers wie der Faustschlag gegen eine Holzwand oder ein Auffahrunfall im dichten Stadtverkehr anhört, ist nichts anderes als der morgendliche Sprung von Björn aus dem Bett, der immer exakt nach dem dritten Klingeln des Weckers ertönt. Ich habe es ja noch nie gesehen, weil ich in diesem Moment erst erwache, aber es hört sich doch stark nach einem verunglückten Telemark an. Danach beginnt ein kurzer Dialog, den wir beide wie der Butler in Dinner for One langjährig verinnerlicht haben: " Guten Morgen, Eric, wer geht zuerst ins Bad?" - "Guten Morgen, Björn, geh` Du ruhig zuerst, Du stehst ja schon!" Wie jedes Mal, stelle ich den Alarm meines Weckers aus, drehe mich auf die Seite, denke halbschlafend über die Vorteile eines Einzelzimmers nach und vertraue darauf, dass ich spätestens dann wieder wach werde, wenn Björn aus dem Badezimmer tritt und mir mit einem kurzen, klaren und sehr lauten "Frei!" signalisiert, dass ich nun an der Reihe bin.

Das Aufstehen fällt mir im Ergebnis nicht schwer, als ich realisiere, dass es draußen herrlichsten Sonnenschein und einen blauen Himmel gibt. Ich möchte gar nicht den Eindruck erwecken, dass ich ein notorischer Langschläfer bin, aber ich achte darauf, ausreichend Schlaf und Ruhe zu bekommen-quasi als Gegenpol zu Wettkampf, Training und Reisen. Vor allem nach strapaziösen Anreisen, wie der gestrigen, als wir von Flossenbürg nach Frankreich fast 1000km mit dem Auto zu fahren hatten.

Obwohl unser Co-Trainer Ronny Ackermann am Steuer saß und uns ein wenig Fahrstress damit abgenommen hat, schlaucht einen das bloße Sitzen im Auto- und dies ja über Stunden. Spät in der Nacht waren wir dann in Frankreich angekommen und in einem solchen Fall bin dann über jede Minute froh, die ich im Bett länger ausruhen kann.

Hier in Frankreich sind beste Schneebedingungen und das Wettkampfareal gefällt mir seit Jahren sehr gut. Die Loipenführung breitet sich in einer großen Ebene aus und wird vom Veranstalter jährlich anders entwickelt, was abwechslungsreich ist und so besonders neugierig und motiviert auf den Wettkampf macht. Auch die taktischen Planungen fallen auf einer gänzlich neuen Strecke magerer aus, als bei bekannten Führungen.

Ich freue mich auf das Wettkampfwochenende sehr, mit dem ich meine Position in der Gesamtweltcupwertung weiterausbauen möchte.

Herzlichst

Eric


Fluggefühle

11. Januar 2017

Ich sitze angeschnallt im Flugzeug. Die Triebwerke heulen auf, der Schub zum Starten presst mich leicht in den Sitz und ich schließe die Augen. Zeit, um das finnische Weltcupwochenende in Lahti Revue passieren zu lassen. Ein Sieg und ein "Zweiter Platz" haben mir das Gelbe Trikot des Gesamtweltcupführenden beschert. Die wichtigste damit zusammenhängende Erkenntnis ist jedoch, dass sich die Trainingslager in Italien, die das Springen im Fokus hatten, bezahlt gemacht haben. Intensiv haben wir an der Anfahrtshocke gearbeitet und an dem Absprung selbst. Was sich beim Intensivtraining abzeichnete, dass ich durch unentwegte Analyse eine Optimierung des Sprungs herbeiführen konnte, konnte ich in Finnland im Wettkampf vollumfänglich bestätigen.

Meine weiten Sprünge sind wieder da! Am zweiten Wettkampftag konnte ich 130 Meter springen und hatte das Gefühl, der Flug hört nicht mehr auf.

Ich bin froh darüber, dass in der entscheidenden Phase der Weltcupsaison und vor dem Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft, meine alte Stärke auf der Schanze wieder da ist, die ich zum Saisonbeginn doch noch nicht optimal abrufen konnte. Weite Sprünge als Grundlage für erfolgreiche und siegreiche Wettkämpfe, dieses Instrument halte ich nun als Trumpf wieder in den Händen, was in Ansehung der starken, deutschen Konkurrenz auch nötig ist.

In der Loipe zählen derzeit jeder Meter und jede Sekunde, wie man vor allem im zweiten Wettkampf des finnischen Weltcups in Lahti sehen konnte. Mit einer Fünfer-Gruppe als Lokomotive habe ich bewusst von Anfang an das Tempo konstant hoch gehalten, um den heranstürmenden Johannes Rydzek auf Distanz zu halten und um auch die Führungsgruppe mürbe zu laufen, was gut gelang. Den entscheidenden Angriff zur "Sprengung" der Gruppe konnte ich auf der selektiven Strecke bei einem langen Anstieg setzen. Bis auf Fabian Riessle, der diese Attacke mühelos mitgestaltete, waren die Mitstreiter abgeschüttelt. Jetzt entwickelte sich ein Zweikampf, wie er härter nicht sein konnte. Immer noch hielt ich aus Respekt vor Johannes das Tempo sehr hoch, was zugegebener Maßen viel Kraft kostete, aber den Sinn und Zweck erfüllte. Mein Gefühl, sagte mir dass ich innerlich für die Reststrecke die Kraft sammeln sollte, als Fabian beim Anstieg hart attackierte. In wenigen Sekunden war mir klar, dass ich diesmal meinen Mannschaftskameraden nicht halten konnte.

Was mir blieb, war den zweiten Platz zu sichern und dadurch das "Gelbe Trikot" weiter zu tragen.

Es ist wohl die spannendste Weltcupsaison meiner Karriere. Gut, dass das Fluggefühl wieder zurück ist.

Ich öffne die Augen kurz vor dem Bodenkontakt in München. Der Pilot setzt einen sauberen Telemark. Auf zur nächsten Etappe!

Herzlichst

Eric


Generalprobe

5. Januar 2017

Wir sitzen in der Münchner Airport-Lounge und hören nach einem kleinen Imbiss Musik. Eine halbe Stunde verbleibt uns bis zum Boarding, dann hebt die Lufthansa-Maschine Richtung Helsinki ab. Gegen 14 Uhr werden wir dann in der finnischen Capitale sein, um anschließend in einem Bus gemütlich nach Lahti gefahren zu werden, zu unserem nächsten Weltcup -Ort, der in dieser Saison zugleich auch Austragungsstätte der Weltmeisterschaft sein wird. Am frühen Abend werden wir nach einem langen Reisetag im Hotel angekommen sein.

Unsere Ausrüstung- Laufski, Sprungski und Spunganzüge- ist bereits vor Ort, ebenso unser Wachs-Truck mit allen Technikern, der für die Anreise von Deutschland nach Lahti zwei Tage Reise benötigt hat , einschließlich des Fähren-Transfers von Kiel nach Helsinki.

Für mich persönlich ist das ein Novum in meiner sportlichen Karriere, dass ein Ort innerhalb einer Saison Gastgeber für einen Weltcup und einer Weltmeisterschaft zugleich ist. Die nächsten Wettkämpfe stellen sich also als eine Generalprobe für die Titelkämpfe im März dar.

Nach einem Lehrgang in Val di Fiemme und Predazzo mit dem deutschen Team in den letzten Tagen, bei dem die Optimierung des Springens im Vordergrund stand, bin ich nach der Pause hochmotiviert, in den nächsten Wettkampf zu gehen. Ich habe sehr gut in Italien an den einzelnen Phasen des Sprunges arbeiten können und bin, was die Sprungform anbelangt, ein gutes Stück weitergekommen.

Umso mehr bin nun darauf erpicht, die guten Trainingsleistungen im Wettkampf umzusetzen und im Kampf um die große Kugel nachhaltig einzugreifen. Gespannt bin auf die Streckenführung in Lahti. Die finnischen Organisatoren überraschen uns Athleten immer wieder. Im letzten Jahr gab es für zwei Wettkämpfe zwei unterschiedliche Ausgestaltungen der Strecke, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Die Gretchenfrage für die anstehenden Aufgaben lautet also: Welche Strecken sind dieses Mal ausgewählt, wieder pro Wettkampf verschiedene? Bekannte oder ganz und gar neue Führungen oder laufen wir sogar eine Weltmeisterschaftsstrecke als Generalprobe?

Die Weltcupsaison geht nun in die entscheidende Phase. Interessant wird jetzt sein, wie die ersten Zehn im Gesamtweltcup, die bisherigen Leistungen fortsetzen können oder ob sich bei dem einen oder anderen Mitstreiter ein Kräfteverschleiß bemerkbar machen werden wird. Auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaft wird es bei den Athleten unterschiedliche Vorbereitungen geben, die wiederum die Ergebnisse in der laufenden Saison beeinflussen können.

Für mich geht nun die Saison zum zweiten Mal los und ich freue mich sehr darauf!

Herzlichst

Eric


Ruhetag

28. Dezember 2016

"Guten Tag, für mich ist die Eric Frenzel-Suite gebucht" - " Ja, warten Sie mal, ich schau mal gerade in den Computer, wie ist denn Ihr Name?" - "Gestatten, Frenzel" versuche ich mich humorvoll in österreichischen Diktion vorzustellen, um dann aber gleich noch auf hochdeutsch hinterher zusagen: "Ich bin der Eric Frenzel" Die junge Rezeptionistin des Hotels Gourmet in Seefeld schaut für Sekunden ungläubig, dann müssen wir beide lachen. Ja, es gibt Dinge im Leben, die hätte ich mir nie träumen lassen. Unser Mannschaftshotel in Seefeld, das uns jetzt schon seit Jahren Unterkunft beim Weltcup gewährt, hat nach meinem dritten Triple-Sieg, eine Suite nach mir benannt. Tatsächlich handelt es sich um zwei Zimmer, die ich schon oft, auch im Sommer mit der Familie, bewohnt habe. Anlässlich der Widmung hat mich nun die Geschäftsführung auf dem Weg zum Trainingslager nach Italien eingeladen, um in der Suite die erste offizielle Übernachtung zu haben. Ich freue mich sehr über diese Idee des Hotels und letztlich über die Ehre, die mir durch eine solche Zimmerbenennung zuteil wird.

Das leichte Handgepäck für die eine Nacht ist schnell verstaut , Zeit, sich vor dem Abendessen noch ein wenig auszuruhen und ein wenig nachzudenken. Die Weihnachtstage sind vor Augen, die Ruhe unterm Weihnachtsbaum im Kreise der Familie habe ich sehr genossen. Der geistige Blick geht auch in die unmittelbare Zukunft, auf die bevorstehenden Weltcups und die Weltmeisterschaft in Finnland.

Noch nie war eine Saison aus deutscher Sicht so spannend. Vier Deutsche führen den Gesamtweltcup an, alle Wettbewerbe wurden von unserem Team gewonnen. Für mich besonders beachtlich ist das Widererstarken meines Mannschaftskameraden Björn Kircheisen, der den vierten Platz des Gesamtrankings einnimmt. Eingekreist im Gesamtklassement bin ich von Johannes und Fabian. Was wie das Endergebnis einer deutschen Meisterschaft ausssieht , ist der aktuelle Gesamtweltcupstand. Ich würde mich nicht wundern, wenn die ersten vier Plätze auch im Endstand vom German Ski Team gehalten würden. Ja, wir sind in Top-Form, die Stimmung ist genial und wir spornen uns gegenseitig an. Die Favoritenbürden für die Weltmeisterschaft werden von deutschen Schultern getragen.

Was ist nun wichtig?

Wir müssen weiter hart arbeiten und konzentriert zu Werke gehen. Nichts ist schlimmer, als mental einen Gang zurückzuschalten, im Bewusstsein der gegenwärtigen Stärke. Im Grunde versuche ich, die bereits durchlaufende Saison zu löschen und mich mit frischem Geist auf den immer zunächst anstehenden Wettkampf zu konzentrieren. Neben dem normalen Training baue ich immer wieder Entspannungseinheiten ein, in denen ich mit mir selbst ruhig werde: Yoga, Progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training.

Eine Nacht in der Eric-Frenzel-Suite passt in dieses Stressbewältigungsprogramm außerordentlich gut und ist jedermann nur zu empfehlen.

Herzlichst Eric


Renntaktiken

19. Dezember 2016

Die Ramsauer Rennen waren ein gutes Fallbeispiel zum Thema Renntaktiken. Das Samstagrennen konnte ich mit einem Vorsprung von 10 Sekunden angehen und die starken Konkurrenten und Mannschaftskameraden Fabian Riessle und Johannes Rydzek waren  die nächstplatzierten Starter. In der Mittagspause machte ich mir dementsprechend Gedanken über die Renntaktik. Zwei Möglichkeiten bestanden: das Rennen mit hohem Tempo angehen, auf Uneinigkeit der Verfolger hoffen und sich mit einem Start-Ziel-Einzellauf durchkämpfen oder sich schnell von den Verfolgern einholen lassen, einen Zug mich Ihnen aufmachen und je nach Rennverlauf attackieren. Ich entschied mich für die schwerere erste Variante, weil Johannes und Fabian auch starke Zielsprinter sind und ich es auf einen Schluss-Spurt nicht ankommen lassen wollte.

Dieser Plan ging diesmal nicht auf. Ich mühte mich sehr den Abstand zu den Verfolgern aufrechtzuerhalten, was bei einer derartigen selektiven Strecke wie in Ramsau sehr kräftezehrend ist. Johannes und Fabian dagegen machten einen Zug auf und verringerten kontinuierlich den Abstand  zu mir. Meine Betreuer von der Strecke unterrichteten mich über die Abstände und mir wurde klar, dass es äußerst spannend und eng werden würde.  '

Vor dem letzten Anstieg wurde ich von den beiden Mannschaftskameraden gestellt, die sofort wieder aufs Neue attackierten. Ich konnte nach dem kräftezehrenden Lauf diesmal nichts dagegen setzen und musste die Beiden schweren Herzens ziehen lassen. Das Rennen wurde durch ein Quäntchen Kraft entschieden, das ich zu sehr verbraucht und die anderen auf Grund der Rennkonstellation gespart hatten. Anders formuliert: 10 Sekunden waren einfach zu wenig Abstand zu den starken Läufern Fabian und Johannes.

Abends im Bett Gedanken über Gedanken. Der nicht gut gesetzte Telemark beim Springen kostete Sekunden, die ich gut hätte gebrauchen können. Auf der anderen Seite war mein Sprung der weiteste je von mir in Ramsau gesprungene, der nicht so leicht mit einem Telemark beschlossen werden konnte. Was tun, wenn beim nächsten Wettkampf eine ähnliche Konstellation entsteht? Den Einzelkampf annehmen oder taktisch in der Gruppe mitlaufen.

Aus Erfahrung wird man klug. Neues musste probiert werden.
Im Sonntagsrennen änderte ich die Renntaktik und lief bewusst im Zug mit, um Kraft zu sparen und um aus dem Rennverlauf heraus einen Angriff setzen zu können. Diesmal ging die Taktik auf und ich konnte mich im entscheidenden Moment absetzen und den Sieg nach Hause fahren.

Der deutsche Mehrkampf an der Spitze des Gesamtweltcups entwickelt sich dramatisch. Alle sehnen sich nach ein paar Tagen Weihnachtsruhe, um danach weiter konzentriert in den Kampf um die Spitze zu ziehen.


Herzlichst Eric 


Showdown in Ramsau

16. Dezember 2016

Die Anreise nach Ramsau zum Weltcup ist immer etwas Besonderes. Nicht wie gewöhnlich fliegen wir zum am Weltcuport nächstgelegenen Flughafen und lassen uns die Reststrecke shutteln, nein wir reisen allesamt mit den eigenen Fahrzeugen an; zumeist habe ich einen Mannschaftskameraden oder einen Techniker als Beifahrer an Bord und wir haben Zeit für Gespräche, die in der Hektik des Weltcupgeschehens manchmal ein wenig zu kurz kommen.Ramsau ist für mich wie ein heimischer Weltcup. Wenn ich die Serpentinen zum Dachstein hochfahre,  die Hochebene um Ramsau  erreiche und dann auf den Parkplatz der Pension Tischlberger fahre, ist das ein Stück weit „nach Hause kommen“.Die Begrüßung mit der Wirtsfamilie ist ausgesprochen herzlich. Seit 20 Jahren schon ist das deutsche Team Gast in der Pension, die gerade mal zwei Kilometer entfernt zum Wettkampfareal liegt. Man kennt die gesamte Familie und wir werden über die neusten Nachrichten und die Ereignisse eines ganzen Jahres ins Bild gesetzt. Natürlich  tauschen wir uns über die ersten Wettkämpfe der Saison  mit der Wirtin aus, die sie selbstverständlich allesamt im Fernsehen verfolgt hat; aber auch das privat-familiäre kommt nicht zu kurz. Ausführlich werde ich zu Leopolds Fortschritten im Gehen und Sprechen  befragt. Stolz zeige ich Bilder von Leopold und Philipp und kommentiere diese.  Familiär  ist es auch beim Abendessen. In der gemütlichen Stube sitzen wir alle zusammen, genießen die deftige steierische Hausmannskost und fühlen uns ausgesprochen wohl.Unsere Ramsauer Pension ist ein wohltuender Kontrast zu den übrigen Hotels auf unseren Weltcupreisen: weniger Hektik, weniger Aufmerksamkeit von Journalisten, Athleten und Funktionäre anderer Nationen. Wir sind unter uns und können uns in aller Ruhe auf die bevorstehenden Wettkämpfe vorbereiten, die die letzten vor Weihnachten sein werden. Ich bin in meiner Stube, genieße die kühle Bergluft bei geöffnetem Fenster und packe in Ruhe meine Sachen aus, sortiere die Ausrüstung  und mache mir meine Gedanken über die Loipen-und Streckenführung, die hoffentlich nicht wie in den letzten Jahren des Schneemangels auf eine kleine präparierte Schleife reduziert ist, sondern sich über das gesamte Wettkampfareal  erstreckt. Die originäre Weltcupstrecke hat einen selektiven Charakter, den ich liebe und der mir immer entgegengekommen ist, vor allem, wenn die Laufform meinerseits gut war.Ich fühle mich sehr wohl und bin in bester Verfassung. Die Sprungleistungen stimmen, das Schanzentraining in Norwegen hat mir weitere Stabilität gebracht. Ich bin bereit, in beiden Wettkämpfen anzugreifen und Punkte auf das Gelbe Trikot gut zu machen.HerzlichstEric Frenzel


Spannung pur

8. Dezember 2016

Die Koffer sind gepackt, wir stehen in der Hotellobby und  warten auf den Shuttle, der uns zum Flughafen bringt. Während die Mannschaftskameraden mit einem kleinen Softball gerade wieder im Wettkampfmodus sind, sitze ich etwas abseits und beobachte in Ruhe das Treiben vor dem Hoteleingang.Hinter mir liegt ein erfolgreiches Weltcupwochenende und ein paar Tage Sprungtraining unter besten Trainingsbedingungen. Auf der Schanze standen vor allem Materialtests an. Die Weltcupsaison hatten wir alle im deutschen Team mit dem Material aus der vergangenen Saison begonnen. Nun hatten wir uns Zeit genommen, neue Sprungski und Schuhe auszuprobieren.Zufrieden reise ich aus Lillehammer ab – wieder einmal mehr hat mich dieser Ort gestärkt für die bevorstehenden Aufgaben, wie es in der Vergangenheit immer der Fall war – Lillehammer mit den wintersportgebegeisterten Einwohnern, mit dem Wettkampfareal und den dortigen Schneebedingungen geben mir immer einen positiven Schub.Der Bus kommt und ich gebe mit einem Pfiff Richtung Mannschaft das Signal, dass die Ausgleichssportart Fußball unverzüglich einzustellen ist. Ich packe noch schnell ein Lehrbuch ins Handgepäck, das mich in den nächsten Stunden begleiten soll. Im Frühjahr werden die nächsten Prüfungen im Studium anstehen. Die Reisezeiten sind im Weltcupwinter meine präferierten Lernzeiten.Ich  freue mich auf ein paar Tage zuhause bei der Familie mit Laura und den Kindern, die ich in Ruhe genießen möchte. Natürlich steht Training auf dem Programm, aber am Abend werden wir uns sehr wohl auf den erzgebirgischen Weihnachtsmärkten tummeln und uns unter einer Weihnachtspyramide auch mal einen Glühwein gönnen. Auf so einem Markt  trifft man unzählige Menschen, die den sportlichen Weg von mir begleitet haben und es macht immer wieder viel Freude, alte Trainer, alte Mitstreiter, Nachbarn, Verwandte und Bekannte in weihnachtlicher Atmosphäre zu treffen und Ihnen aus erster Hand aus dem Weltcupgeschehen zu berichten.Die zwei Weltcupwochenenden, die hinter uns liegen,  haben einen Vorgeschmack auf die Gesamtsaison und die Weltmeisterschaften in Lahti gegeben. Es werden uns harte und auch enge  Wettkämpfe bevorstehen, die Leistungsdichte ist enorm in der Weltspitze und die kommt in dieser Saison vor allem aus den eigenen Reihen. Mit Fabian Riessle, Johannes Rydzek und dem wieder erstarkten Björn Kircheisen, konnten wir alle Weltcuprennen der Saison für das deutsche Team entscheiden und haben uns selbstverständlich für alle anstehenden Einzel-und Teamentscheidungen in die Favoritenrolle hinein katapultiert.Voller Freude schaue ich daher auf den Weltcup in Ramsau, zu dem wir nach ein paar Tagen Heimaufenthalt dann mal ausnahmsweise mit dem Auto anreisen werden. Ich rechne mit knappen Entscheidungen und mit dem Fortgang des deutschen Kopf-an Kopf-Rennens.HerzlichstEric