Jugendherberge eins

Jugendherberge/City Hostel Chemnitz eins

Energiedienstleister eins baut ehemaliges Umformwerk um.

Im Frühjahr dieses Jahres eröffnete die Jugendherberge Chemnitz „eins“. Nach fast 20 Jahren ist nun wieder junges Leben in ein historisches Gebäude eingezogen, dass dem Verfall preisgegeben war. In einem dreijährigen Bauprojekt hat eins die Immobilie umgebaut und an den Jugendherbergsverband übergeben. 

 

Das 12 Meter hohe Foyer ist ein echter Hingucker. Eine historische Kranbahn an der Decke und die 3,5 Tonnen schwere Schwungradhälfte zeigen Industriegeschichte.

Um 1908 entstand das markante Haus am Getreidemarkt, dass zwischen 1924 und 1929 nach den Entwürfen von Friedrich Wagner-Poltrock zu einem Transformatorenwerk im Stil der klassischen Moderne umgebaut wurde. Grund hierfür war der steigende Energiebedarf für das Chemnitzer Straßenbahnnetz. Zu DDR-Zeiten nutze die städtische Energieversorgung das Gebäude als Verwaltungssitz; seit 1993 stand es leer. 

Im Herbst 2009 begannen die umfangreichen Bauarbeiten zur Jugendherberge. Im Juni 2012 übernachteten das erste Mal Gäste in den 131 Betten. Elf Millionen Euro hat eins in den Umbau der Stadtjugendherberge investiert; der Freistaat Sachsen trägt davon drei Millionen Euro.  

Es ist eine der aufwändigsten Sanierungen in der eins-Geschichte bzw. auch der Gesichte der Vorgängerunternehmen. Dazu Reiner Gebhardt, Vorsitzender, der eins-Geschäftsführung: „Uns war es immer schon wichtig, sorgfältig mit unseren historischen Wurzeln umzugehen. Wir haben unsere eigenen Gebäude immer so gestaltet, dass sie ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben, aber dennoch optimal auf die neuen Nutzungsmöglichkeiten zugeschnitten sind.“ Beispiele dafür gibt es viele; unter anderem das Pumpwerk eins auf der Zschopauer Straße und natürlich der Standort Straße der Nationen, auf dem 1874 ein Gaswerk errichtet wurde.

 

Dornröschenschlaf beendet

21. Mai 2012: Die Jugendherberge wird feierlich eröffnet. Von links nach rechts: Günther Schneider, Präsident des Deutschen Jugendherbergswerks, Landesverband Sachsen, Karl-Heinz Binus, Vizepräsident DJH-Hauptverband, Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin Chemnitz, Stanislav Tillich, Ministerpräsident von Sach-sen, Reiner Gebhardt, Vorsitzender der eins-Geschäftsführung.

21. Mai 2012: Mehr als 200 Gäste waren zur offiziellen Einweihung der neuen Jugendherberge gekommen; unter ihnen der Sächsische Ministerpräsident Stanislav Tillich, die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Familienangehörige des Architekten. Dr. Tillo Soergel und Dr. Ulrich Soergel, die beiden Enkel Poltrocks waren begeistert: „Wir waren hocherfreut zu sehen, wie eins dieses architektonisch bedeutende Industriebauwerk aus dem Dornröschenschlaf geholt hat. Mit viel Energie - wie es sich für den Namen ziemt - Tatkraft, Kompetenz, Liebe zum Detail und dazu mit viel Geld wurde das Werk unseres Großvaters, ein Denkmal der architektonischen Moderne aus der Epoche des Bauhausstils, zu neuem Leben erweckt.“  

Für die nächsten 20 Jahre gibt eins das Gebäude nun in die Hände des Jugendherbergsverbandes. Thomas Müller, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Jugendherbergswerkes, Landesverbandes ist sich sicher: „Die Jugendherberge leistet nicht nur einen aktiven Beitrag zum Stadtmarketing, sondern holt auch nachhaltig junge Menschen in die Stadt, die hier als zufriedene Gäste die Stadt als Botschafter wieder verlassen werden“.  

 

Eine besondere Architektur

Für die Umbauarbeiten haben wir vorwiegend regionale Unternehmen beauftragt: Das Team der Elektroanlagen Adelsberg kümmerte sich um die Elektrik.

Die Liebe zum Detail ist in der neuen Jugendherberge überall erkennbar; man muss nur ein bisschen schauen. Historische und moderne Gestaltungsvarianten ergänzen sich. Schon beim Hineingehen in das 12 Meter hohe Foyer – eine ehemalige Werkhalle - spürt man den Charme längst vergangener Tage. 

An der Deckenhalle wurde eine alte Kranbahn belassen, in den Boden wurde eine 3,5 Tonnen schwere Schwungradhälfte aus dem Jahr 1929 integriert. Großzügig schließen sich an das Foyer ein Schulungs- und Galerieraum an. Um den Fahrstuhlaufzug windet sich eine Treppe. In den Zimmern hat man besonderen Wert auf die detailgetreue Nachbildung der alten Fensterbänder gelegt. Und ganz oben auf dem Dach thront die Laterne, die nachts beleuchtet wird. Für die Arbeiten hat eins auf hiesige Firmen vertraut, unter anderem auf das Chemnitzer Ingenieurbüro C&E, die Firma Hüttner, die Wärmeanlagen Chemnitz, und viele mehr. 

 

Die Jugendherberge im Überblick

  • 131 Betten in 3- bis 8-Bettzimmern, davon 5 Familienappartements sowie 3 Zimmer/ 9 Betten barrierefrei; 
  • Speisesaal, 
  • Gemeinschaftsraum, 
  • Konferenz- und Schulungsraum,
  • Galerie, 
  • Freizeit- und Schulungsraum, 
  • Unterstellplatz für Fahrräder, 
  • Grillplatz und Tischtennis im Außenbereich

    Buchungen und weitere Informationen unter: 
    www.chemnitz-city.jugendherberge.de

 

 

Der Architekt

Friedrich Wagner-Poltrock wurde im Jahr 1883 in Marienwerder (Brandenburg) geboren und war ein deutscher Architekt der klassischen Moderne, Zeichner und Dichter. Er studierte unter anderem in Berlin und Düsseldorf Kunst sowie Architektur. Wagner-Poltrock arbeitete von 1914 bis 1925 als Stadtbaurat in Chemnitz und eröffnete im Jahr 1924 seinem eigenes Architekturbüro. Im Jahr 1952 siedelte er ins Rheinland über, da er gegen die Sprengung von historischen Gebäuden protestierte und sich damit im damaligen System nicht unbedingt beliebt gemacht hat. In seiner Arbeit als Architekt hatte er immer den Drang zum harmonischen Ganzen. Die Diesterweg-, die Industrieschule und die neue Jugendherberge sind mit ihren klaren Formen und Linien Zeugen seiner Arbeit. Friedrich Wagner-Poltrock verstarb im Februar 1961 in Essen im Alter von 77 Jahren.